Unter Kartenlegen (bzw. Kartenschlagen) versteht man die Kunst, mittels Spiel- oder Wahrsagekarten die Zukunft zu deuten (Zukunftsdeutung).
Durch Kartenleger/innen (Kartomanten) wird hierbei auf spirituellem Weg (telepathisch oder übersinnlich) aus den Kartenbildern
eines Menschen die Zukunft gedeutet.
Je nach Art der gestellten Frage werden die Bilder mit unterschiedlichen Techniken gelegt.
Das Kartenlegen wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Europa bekannt, Vorläufer lassen sich auch bis ins 16. Jahrhundert
nachweisen.
M.lle Marie-Anne Adelaide Lenormand (1768-1843; auch Le Normand geschrieben) war die berühmteste
Wahrsagerin des 19. Jahrhunderts und wohl eine der besten (und schillerndsten) überhaupt. "Die Sybille von Paris"
oder "Die Seherin aus der Rue de Tournon" waren die Ehrenbezeichnungen, die ihr von ihren
Zeitgenossen verliehen wurden. Sie wurde am 16. September 1768 als Kind einer Kaufmannsfamilie im französischen
Alençon (in der Normandie) geboren.
Viele, die sich nur oberflächlich mit ihrem Leben beschäftigt haben (oder nur ihre Karten verkaufen wollen), glauben, sie sei am 27. Mai 1772 auf die Welt gekommen. Dieses Gerücht hat Mlle. Lenormand selbst ausgestreut, die sich aus Eitelkeit ein wenig jünger machen wollte. Doch die Akten des Geburtenregisters von Alençon widerlegen das.
Schon als Kind fiel sie durch ihr ungewöhnliches Wahrsage-Talent auf. So hat sie als siebenjährige ABC-Schützin durch eine korrekte Brandwarnung ihre Mitschülerinnen der Klosterschule, die sie besuchte, und die Lehrerinnen vor dem Feuertod gerettet.
Durch den frühen Tod ihres Vaters konnte Sie ihre Schulausbildung aus finanziellen Gründen nicht beenden. Als junges Mädchen verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt zuerst als Näherin. Mit 24 (1793) ging sie dann nach Paris, wo sie als Verkäuferin und in einer Wäscherei arbeitete. (Sie selbst gab gerne das Jahr 1790 als Umzugsjahr an.) Ermutigt durch den Zuspruch anderer Menschen, wandte sie sich bald ihrer Berufung zu: der Wahrsagerei durch Kartenlegen, wobei sie später ihre eigenen Divinationskarten schuf, das nach ihr benannte sybillinische Lenormand-Orakel, oder auch einfach der "Lenormand-Tarot".
Vier Jahrzehnte lang unterhielt sie in der Pariser Rue de Tournon Nr. 5 einen Salon mit der simplen Türaufschrift:
"Mademoiselle Lenormand, Libraire" Dort legte sie der Pariser Gesellschaft die Karten. Sie wurde sogar am
französischen Kaiserhof eingeführt, wo sich Kaiserin Josephine Beauharnais (1763 - 1814) und Napoleon Bonaparte
(1769 - 1821) selbst von ihr wahrsagen ließen. (Sie soll übrigens Napoleon von seinem Rußlandfeldzug abgeraten haben
und schrieb später ein Buch mit dem Titel "Die hostorischen und geheimen Memoiren von Kaiserin Josephine".)
1821 wurde sie von der Katholischen Kirche vor Gericht gezerrt. Man warf ihr Ketzerei vor, da sie behauptete Verbindung zu Erzengel Gabriel zu haben. Das Gericht verurteilte sie zu einer hohen Geldstrafe und zu einem Jahr Gefängnis. Diese Strafe musste Sie jedoch nicht ganz verbüßen, da sie auf Beschluß des Obersten Gerichtshofs vorzeitig entlassen wurde. Bei ihrer Freilassung wurde sie von einer großen Menschenmenge gefeiert. Ihrer Beliebtheit hatte das keinen Abbruch getan, im Gegenteil.
M.lle Lenormand starb am 25. Juni 1843 in Paris, wo sie bis zu ihrem Tod aktiv gewesen war. An ihrer Beerdigung nahmen
sehr viele Menschen aus allen Gesellschaftsschichten teil.
Die Rue de Tournon heute
Mademoiselle Lenormand hat einige sehr schöne Tarot-Decks geschaffen, die in einer einfachen Bildersprache dem, der die entsprechenden Kenntnisse und Intuition hat und sie zu lesen versteht, sehr klare Antworten auf alle gestellten persönlichen Fragen vermitteln.
Da diese Decks weniger Karten haben als der klassische Tarot und eigentlich mit Tarot und Kabbala gar nichts zu tun haben, sollte man hier besser von Divinationskarten und Divinations-Decks sprechen, um Mißverständnisse zu vermeiden. Was diese Art Karten mit dem Tarot gemein haben, ist Ihr Wahrsagepotential.
Mademoiselle Das Zigeuner-Tarot von Mlle. Lenormand ist konkret und ereignisorientiert. Mit ihrer klaren Symbolik decken die Karten verborgene Wahrheiten auf und lenken die Gedanken auf das Wesentliche. Kenner sagen so bezögen sie ihre Energie und Treffsicherheit von Zigeunerseelen, die sich noch nicht von der Erde lösen konnten, da sie ihre Mission der Liebe noch nicht vollendet haben. 'Gefangene der Liebe' könnte man sie nennen. Mit dem entsprechenden Wissen und der nötigen Intuition kann man in den Karten lesen wie in einem offenen Buch.
Ihr erstes Tarot-Deck (auch "Lenormand Orakel"), von ihr selbst "Sybillinisches Orakel" bzw.
"Sybille des Salons" genannt, schuf Marie-Anne Lenormand anno 1828. Schon das erste Deck hatte nicht die
klassische Zahl von 78 Karten, sondern nur 52.
Der berühmte Illustrator Grandville, alias Gérard Jean Ignace Isidore (Nancy 1803 – Vanves 1847) malte zu diesem Tarot bald neue Bilder. Diese Neuausgabe der "Sybille des Salons" wurde 1840 von B. P. Grimauld (Paris) veröffentlicht.
1850, also schon nach dem Tod von Marie-Anne, kam dann "Le Petit Lenormand" ("Der Kleine Lenormand")
auf den Markt, das heute als DAS sybillinische Lenormand-Orakel schlechthin gilt und eines der berühmtesten Tarot-Decks
überhaupt ist. Im Deutschen Spielkarten Museum von Leinfelden sind 13 Karten eines Sets von 1850 zu besichtigen.
Das gesamte Deck hat 36, je vier "Zahlenkarten" 1 (As), 6, 7, 8, 9, 10 plus Bube, Dame und König.
Ebenfalls ca. 1850 besorgte Grimaud eine weitere Neuausgabe des Orakels, eine auf nur 32 Karten reduzierte Version, die ca. 1850 unter dem Namen "Das Buch des Schicksals" ("Le Livre du Destin") herauskam, mit völlig neu gestalteten Bildern und Texten.
Um 1860 folgten von Grimaud weitere Decks unter den Titeln “Sybille d’Alençon” und "Il Grand Jeu de Societé de
M.lle Lenormand", die jedoch rein gar nichts mit dem ursprünglichen Tarot von Lenormand zu tun hatten.
Ca. 1870 folgte ein weiteres Deck mit 36 Karten, "Der Kleine Kartenratgeber"
("Le Petit Cartomancièn").
Wichtig ist alles, was in der Horizontalen, der Vertikalen und den Quadranten des Fragestellers vorkommt.
Die letzte Karte (36) zeigt auf, wie alles endet.
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